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May 10, 2022 0 Comments

Wie lange ist THC im Urin nachweisbar?

Cannabis gilt in Deutschland als Betäubungsmittel. Das liegt vor allem an der berauschenden Wirkung von THC, einem der Hauptinhaltsstoffe der Cannabispflanze. Daher greift das Betäubungsmittelgesetz: Verkauf und Besitz von größeren Mengen der Droge ist in der Regel illegal. Legal ist der Besitz nur, wenn er ärztlich angeordnet wurde. Der Cannabiskonsum ist laut geltendem Recht nicht strafbar, auch wenn die Substanz illegal ist.

Was jedoch verboten ist: unter dem Einfluss von Cannabis am Straßenverkehr teilzunehmen. Du darfst also weder Auto noch Fahrrad fahren, nachdem Du Cannabis konsumiert hast. Überprüft wird das Ausmaß des Konsums anhand verschiedener Drogenscreenings, die auf Abbauprodukte von THC reagieren. Doch wie lange besteht die Gefahr eines positiven Tests, nachdem Du Cannabis konsumiert hast? Und was genau wird überhaupt untersucht?

THC – was ist das?

Wenn Du schon einmal von Cannabis gehört hast, ist Dir vielleicht auch THC ein Begriff. Aber was genau war das nochmal? 

In der Cannabispflanze finden sich mehr als 100 Wirkstoffe, diese nennen sich “Cannabinoide”. Vor allem die Knospen der weiblichen Pflanzen weisen einen hohen Gehalt der beiden bekanntesten psychoaktiven Inhaltsstoffe auf: Tetrahydrocannabinol, kurz THC, und Cannabidiol, also CBD. Um genau zu sein, enthalten die Blüten THCA (engl. tetrahydrocannabinolic acid) und CBDA (engl. cannabidiolic acid). Das sind die jeweiligen säurehaltigen Vorstufen, die erst durch das Erhitzen des Cannabis’ ihre Wirkung entfalten.

In erster Linie wirkt THC berauschend. Das heißt, dass es die Wahrnehmung der Konsument:innen verändern kann. Darüber hinaus bringt THC aber auch einige medizinisch wertvolle Eigenschaften mit sich: Der Inhaltsstoff wirkt unter anderem appetitanregend und schmerzlindernd. 

Wie wird THC im Körper abgebaut?

Weed, Gras, Marihuana, Ott – you name it. Gemeint sind immer die getrockneten Blüten der weiblichen Cannabispflanze. Wenn jemand von Haschisch oder Dope spricht, meint die Person das gepresste Harz der Knospen. Die meisten Konsument:innen rauchen Cannabis-Joints, also selbst gedrehte Zigaretten, die Cannabis und Tabak enthalten. Verbraucher:innen, die nicht rauchen möchten, verwenden Cannabis bspw. als Spezialzutat in Cookies oder kochen Tee, um die Welt durch die grüne Brille zu sehen.

Durch das Inhalieren wird Cannabis aber am schnellsten aufgenommen. Die Substanz gelangt in die Blutbahn, um sich dann an die jeweiligen Cannabinoidrezeptoren im Gehirn sowie dem zentralen Nervensystem zu binden. Die Wirkung beginnt bereits nach wenigen Sekunden und erreicht nach 15 bis 30 Minuten ihr Maximum. Innerhalb von zwei bis drei Stunden lässt der Rausch in der Regel wieder nach. 

Wird Cannabis oral konsumiert, also gegessen oder getrunken, nimmt der Körper das THC sehr viel langsamer auf. Oft setzt die Wirkung erst nach zwei Stunden ein, was durchaus zu unerwarteten Schockmomenten führen kann. Nach 12 bis 24 Stunden fühlen sich die meisten Konsument:innen wieder nüchtern.

Der tatsächliche Abbau, also die Zeit, die vergeht, bis sich keine Rückstände des THC mehr im Körper nachweisen lassen, dauert jedoch viel länger. THC ist fettlöslich und lagert sich daher leicht in fettstoffreichem Gewebe, beispielsweise dem Gehirn, an. Dort wird es nur langsam abgebaut. Das bedeutet konkret: Auch wenn Du Dich schon gar nicht mehr so richtig an deinen letzten Joint erinnern kannst, kann ein Drogentest für böse Überraschungen sorgen. Das Ergebnis kann, je nach Testtyp, unterschiedlich ausfallen. 

Details zur Nachweisbarkeit von THC

Jugendsünden, wer kennt sie nicht? Mit 18 das erste Mal mit deinen Freund:innen auf dem Weg zum Festival. Freiheit, Ausbrechen, Feiern. Natürlich hattet ihr auch Gras dabei und natürlich habt ihr schon während der Fahrt den ersten Joint geraucht. Ihr schwitzt im vollgepackten Auto, der Parkplatz ist bereits ausgeschildert, die Stimmung ausgelassen. Und dann: allgemeine Verkehrskontrolle. Die Beamt:innen winken euch raus, Fenster runter, der Polizist rümpft die Nase. “Hier riecht’s aber ganz schön nach Marihuana!” Der Rest ist Geschichte. In Deinen Taschen fanden die Beamt:innen “geringe Mengen Betäubungsmittel”. Eine Jugendsünde, die mit den Jahren zu einer beliebten Anekdote geworden ist. Was Du allerdings heute noch davon hast? Einen Eintrag im Betäubungsmittelregister, der den Beamt:innen bei jeder Personen- oder Verkehrskontrolle angezeigt wird. Höchstwahrscheinlich musst Du Dich relativ regelmäßig einem Drogentest unterziehen.

Falls Du auch heute noch hin und wieder zur Sportzigarette greifst, solltest du den Erwerb eines Abotickets des öffentlichen Personennahverkehrs in Betracht ziehen. Selbst wenn Du nur unregelmäßig konsumierst, werden die verschiedenen Drogentests unterschiedlich anschlagen. Verschiedene Drogentests? Richtig, der Drogenkonsum kann auf mehreren Wegen nachgewiesen werden. 

Nach dem Konsum von Cannabis ist THC an folgenden Stellen nachweisbar:

  • Urin
  • Blut
  • Haare
  • Speichel
  • Schweiß.

Im Falle einer Verkehrskontrolle ist es beispielsweise üblich, dass Du zunächst eine Urinprobe abgibst. Dabei handelt es sich um einen THC-Schnelltest. Ist dieser positiv, nehmen die Beamt:innen an, dass Du unter dem Einfluss von Drogen stehst. Positiv bedeutet, dass der THC-COOH, also der gemessene Wert der THC-Carbonsäure, über dem Grenzwert liegt. Im Schnelltest lassen sich Werte von weniger als 5 ng/ml nicht nachweisen, im ausführlichen Screening allerdings schon. Bei einem solch niedrigen Wert gehen die Behörden von einem einmaligen Konsum aus und sprechen in der Regel geringe Strafen aus. 

Für den Fall, dass der Schnelltest Werte von über 5 ng/ml anzeigt, folgen in der Regel weitere Tests, die im Labor analysiert werden. Diese Tests sollen Auskunft über Dein Konsumverhalten geben.  

Wie lange ist THC im Urin nachweisbar?

Im Urin ist das Abbauprodukt THC-Carbonsäure vergleichsweise lange nachweisbar. Dennoch musst Du Dich nicht allzu sehr vor einem Drogenschnelltest fürchten, sofern Du nur einmalig Cannabis konsumiert hast. Nach 24 bis 36 Stunden schlägt der Test in diesem Fall nicht mehr an. Bei mehrmaligem Konsum verlängert sich die Nachweisbarkeit auf fünf bis sieben Tage. Solltest Du regelmäßig Cannabis zu Dir nehmen, verrät Deine Urinprobe das sogar noch nach sechs bis acht Wochen. Langzeitkonsument:innen müssen bis zu 12 Wochen zittern. Die Begriffe “regelmäßig” und “gelegentlich” lassen sich dabei nur schwer genau definieren. Verschiedene Gutachten sprechen von “regelmäßigem Konsum”, wenn er täglich oder mehrmals wöchentlich stattfindet. Von “gelegentlichem Konsum” ist meist die Rede, wenn mehrmals im Monat konsumiert wird. 

Wie lange ist THC im Blut nachweisbar?

Nach dem Testen von Urin kommt der Bluttest am häufigsten zum Einsatz. Der Grund: Die Nachweisbarkeit im Blut beschränkt sich auf ein kurzes Zeitfenster, nach etwa vier bis sechs Stunden finden sich keine Abbauprodukte mehr. So können die Beamt:innen feststellen, ob du tatsächlich unter dem Einfluss von Cannabis stehst oder der Konsum schon länger zurück liegt. Wie auch bei anderen Testverfahren verlängert sich die Zeit der Nachweisbarkeit mit steigendem Konsum beziehungsweise der konsumierten Menge. 

Aber Vorsicht: Blut und Blutplasma unterscheiden sich. Wird die Untersuchung Deines Blutplasmas angeordnet, ist auch ein einmaliger Cannabiskonsum ein bis drei Tage nachweisbar. Bei mehrfachem THC-Konsum sind Abbauprodukte der THC-Carbonsäure bis zu sieben Tage im Plasma feststellbar. Auch hier gilt: Je regelmäßiger Du THC-haltige Produkte zu Dir nimmst, desto länger verrät Dich der Test. Im Blutplasma können das sogar mehrere Wochen sein. 

Wie lange ist THC im Haar nachweisbar?

Auch eine Haaranalyse kann Dir auf die Füße fallen, wenn es um den Konsum von Marihuana und Co. geht. Das liegt daran, dass THC-Abbauprodukte während des Haarwachstums in die Haarmatrix integriert werden. Je nach Haarlänge ist der Konsum damit sogar über mehrere Jahre nachweisbar. Kleines Rechenbeispiel: Durchschnittlich wachsen Deine Haare im Monat um einen Zentimeter. Haben Deine Haare also eine Länge von 24 cm, kann sich darin die Auskunft über Deinen Drogenkonsum der letzten zwei Jahre finden. 

Allerdings sind Haaranalysen häufig nicht sehr aussagekräftig, da sie im Gegensatz zu Tests von Blut und Urin selbst regelmäßigen Drogenkonsum nicht zuverlässig anzeigen. Auch falsch positive Ergebnisse sind möglich, falls die getestete Person regelmäßig Haarpflegeprodukte nutzt, die Hanf enthalten.

Wie lange ist THC im Speichel nachweisbar?

Du ahnst es schon, auch im Speichel lässt sich der Konsum von Cannabis nachweisen. Vermutlich wird Dich auch der nächste Satz nicht vom Hocker hauen: Die Häufigkeit des Drogenkonsums nimmt Einfluss darauf, wie lange der Konsum im Speichel nachgewiesen werden kann. Gelegentlicher THC-Genuss kann Dir maximal drei Tage nachgewiesen werden. Regelmäßiger Konsum verzögert den Abbau: Es kann bis zu einen Monat dauern, bis der Speicheltest wieder negativ ausfällt. 

Wie lange ist THC im Schweiß nachweisbar?

Der Schweißtest reagiert nicht spezifisch auf THC, sondern zeigt an, ob der Schweiß der getesteten Person generell Rückstände illegaler Drogen enthält. Der Drogentest gibt also auch Hinweise auf Spuren von Kokain, Amphetaminen und anderen verbotenen Substanzen. Die Krux: Die Schweißanalyse kann auch positiv ausfallen, wenn die getestete Person Kontakt mit den illegalen Substanzen hatte, ohne sie selbst konsumiert zu haben. Außerdem ist nicht bekannt, wie lange THC und andere Substanzen im Schweiß nachweisbar sind. Daher kann ein Schweißtest nie als Beweismittel verwendet werden und es müssen weitere Tests folgen, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. 

Kann der Abbau von THC im Körper beschleunigt werden?

Im Amsterdam-Urlaub hast Du guten Gewissens den ein oder anderen Coffeeshop besucht, schließlich ist der Konsum von Cannabis dort legal. Seit Fridays for Future so eine große Sache geworden ist, hast Du ohnehin beschlossen, häufiger den Zug zu nehmen und so fanden auch An- und Abreise klimaneutral statt. Und doch: Nächste Woche geht’s zur Familie auf’s Land – mit dem Auto! Wir verstehen Deine Sorge, mit dem BTM-Eintrag in der Tasche möchtest Du einen positiven Drogentest lieber nicht riskieren. Wir werden Dir definitiv nicht empfehlen, Dich hinter das Steuer zu setzen, solange der Test noch positiv ausfallen könnte. Dennoch bist Du erwachsen und triffst deine Entscheidungen selbst. Um die Wahrscheinlichkeit eines positiven Tests zu minimieren, gibt es einige Möglichkeiten, den Abbau der THC-Carbonsäure zu beschleunigen. Alle Angaben sind natürlich ohne Gewähr. Eine gängige Methode, die Dir nicht schaden wird: Sport. Körperliche Ertüchtigung regt den Stoffwechsel an, das beschleunigt die Abbauprozesse automatisch. Besonders gut geeignet sind Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren. Achtung: Beim Radeln auf öffentlichen Straßen nimmst Du am Straßenverkehr teil und kannst theoretisch genauso für “die Teilnahme am Straßenverkehr unter Drogeneinfluss” belangt werden. 

Schwitzen unterstützt die natürliche Entgiftung des Körpers, also ab in die Sauna mit Dir. Vergiss dabei nicht ausreichend Wasser zu trinken. Das ist zum Einen wichtig für den Kreislauf, zum anderen werden die Abfallprodukte von Cannabis dadurch stark verdünnt. Unter Umständen wirkt sich das auf das Testergebnis aus, sofern Urin, Speichel oder Blut untersucht werden.

Fazit

Wenn Du illegale Drogen konsumierst, brichst Du in der Regel das Gesetz. Auf keinen Fall solltest Du Dich, solange du unter dem Einfluss bewusstseinsverändernder Substanzen stehst, hinter das Steuer, auf Dein Fahrrad oder Motorrad setzen. Dass Konsument:innen auch noch Gefahr laufen, bestraft zu werden, wenn sie schon lange wieder nüchtern sind, ist auf alle Fälle ernüchternd und dennoch gut zu wissen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Drogen ist in jedem Fall wichtig! Wir hoffen, dass wir dazu einen kleinen Beitrag leisten konnten. 

FAQ

Wie lange sind drei Züge am Joint nachweisbar?

Die Dosierung des THC spielt eine ausschlaggebende Rolle. Bereits nach wenigen Zügen ist der Cannabiskonsum für sieben bis zwölf Stunden im Blut nachweisbar. Generell ist das Stoffwechselprodukt THC-COOH im Urin länger als im Blut nachweisbar.

THC-COOH: Welcher THC-Wert ist ausschlaggebend?

THC-COOH steht für THC-Carbonsäure und ist ein gemessener Wert, der Aufschluss über dein Konsumverhalten gibt. Eine THC-COOH-Konzentration von unter 5 ng/ml ist bereits im Blut nachweisbar, jedoch nur mithilfe eines ausführlichen Screenings und nicht anhand eines Schnelltests. Bei diesem Wert ist von einem einmaligen Cannabis-Konsum auszugehen. Schwankt die THC-Dosierung von 5 bis 75 ng/ml spricht man von gelegentlichem Cannabis-Konsum. Bei einem THC-COOH-Wert von mehr als 75 ng/ml findet der Cannabis-Konsum für gewöhnlich regelmäßig statt.

Quellen

[1] THC-Nachweisbarkeit, Mai 2019, https://www.netdoktor.de/diagnostik/drogentest/thc-nachweisbarkeit/
[2] Speichel-Drogentests auf THC: Was Du wissen musst. Mai 2020, https://www.royalqueenseeds.de/blog-speichel-drogentests-auf-thc-was-du-daruber-wissen-musst-n1039
[3] Schweißtest: Ein beliebter Drogenschnelltest der Polizei, Januar 2022, https://www.bussgeldrechner.org/schweisstest.html
[4] THC-Nachweisbarkeit: Cannabis in Blut, Speichel, Haar & Urin nachweisen, April 2022,  https://www.bussgeldkatalog.org/thc/ 
[5] Zur Verkehrstüchtigkeit unter Einfluss von Cannabis, März 2019, https://www.bundestag.de/resource/blob/637902/597d53f5cf611ccbe0a0d1bd3197a624/WD-7-040-19-pdf-data.pdf 

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